dialog digitalisierung #dialogital

Das Stichwort Digitalisierung fällt aktuell fast immer, wenn es um Bildung geht. Hier diskutieren wir alles rund um dieses Thema in Bezug auf die Erwachsenen- und Weiterbildung.

Moderator: Saniye Al-Baghdadi

Der nächste dialog digitalisierung#02 steht vor der Tür. Passend dazu können Sie sich mit zwei Filmsequenzen auf die kommende Veranstaltung einstimmen oder zur letzten Veranstaltung rückbesinnen.

Impressionen vom ersten #dialogital:
https://wb-web.de/aktuelles/impressione ... gital.html

Stimmen der Teilnehmenden vom ersten #dialogital:
https://wb-web.de/aktuelles/stimmen-zum ... gital.html
Liebe Christina,

vielen Dank für Deine Beobachtungen. Sie sprechen mir im Hinblick auf das in Essen Erlebte aus der Seele. Tatsächlich ist die Frage, wie Wissenschaft nützlich werden kann, wenn sie - nachvollziehend - erhebt, was in der Praxis der Fall ist, schwierig zu lösen. Dazu bietest Du ja schon wichtige Überlegungen an.
Ich möchte mit meinen Gedanken daran anschließen.

Zunächst einmal kann Wissenschaft eine objektivierende Funktion ausüben, das heißt, sie kann helfen, das Einzelbeobachtungen als Teil einer größeren Empirie bestätigenden oder irritierenden Charakter entfalten. Wissenschaft stellt dann eine Folie bereit, vor der sich die eigene Praxis abhebt. Das kann mitunter - auch zeitverzögert - für Praxis nützlich sein, weil sie eine Referenz erhält zur Einschätzung der eigenen Lage.

Dann kann es ja auch ganz andere Arten von wissenschaftlichen Leistungen geben, also nicht Beschreibungswissen, sondern Deutungs- oder Erklärungswissen.
Wissenschaft kann - theoriegeleitet - Deutungsangebote machen, die Praxis in einem anderen Licht erscheinen lassen und diese im besten Falle produktiv irritiert.
Wissenschaft kann auch Theorien anbieten, zu denen Praxis Umsetzungsvorschläge erprobt. (Zugegeben, das kann zuweilen zu unerwünschten Effekten führen, zumal wenn die Politik diese Theorien zuerst aufgreift und steuernd im Bildungssystem eingreift, bevor die Praxis Erfahrungen machen konnte, Stichwort Inklusion).
Wissenschaft kann Zusammenhänge aufzeigen zwischen Rahmenbedingungen und erwünschten oder unerwünschten Effekten (=Erklärungswissen). Das wird der Praxiserfahrung auch nachgelagert sein müssen, kann aber nützlich werden, auch in dem Sinne, wie Du, Christina, beschrieben hast, dass nicht alle die Fehler der anderen wiederholen müssen. Auch, weil dann klarer wird, welche Einflussfaktoren Gelingen oder Misslingen bedingen.

Ideal erscheint mir die Zusammenarbeit von Forschung und Praxis, wenn gemeinsam Entwicklungsherausforderungen aufgegriffen und so Innovationen ermöglicht werden. Auf diesem Wege sind wir zum Beispiel im GRETA-Projekt, wobei sich erst noch zeigen muss, ob die Entwicklungen das Zeug zur Innovation wirklich haben.

Dies einmal als erste Gedanken zu deinem wirklich anregenden Post. Vielleicht mag der eine oder die andere den Faden weiterspinnen!?
Liebes Team Dialog Digitalisierung,

ich war bei Ihrer Veranstaltung eher in einer beobachtenden Rolle. Trotzdem oder gerade deswegen möchte ich mich noch einmal zurückmelden und sagen, wie inspirierend ich viele der Gespräche und vor allem die abschließende Podiumsdiskussion empfunden habe!

Die Kernaussage von Wissenschaftlern und Praktikern war in meinen Augen "Die Wissenschaft hinkt der Praxis hinterher" und damit verbunden die Frage "Was kann im Dialog und in der Arbeit untereinander verbessert werden, um diesen Zeitverzug zu verringern?" Es wurde viel darüber diskutiert und auch manche Vorschläge gemacht, letztlich aber die These aufgestellt, dass dieses "Problem" nicht befriedigend zu lösen sei.

Ich stelle in dem Zusammenhang aber die Frage oder das Problem in Frage. Ich bin der Meinung, die Forschung folgt der Praxis auf ganz natürliche Art und Weise. Ich bezeichne das nicht als Problem. Kann man nicht grundsätzlich in der Wissenschaft sagen, dass es erst einen Untersuchungsgegenstand in der Praxis geben muss, damit die Forschung tätig werden kann? Um beim Thema Digitalisierung in der Erwachsenenbildung zu bleiben, werden also in der Praxis zunächst Lehrende mit der Entwicklung digitaler Medien konfrontiert und mit der Frage ob und wie diese im Unterricht einzusetzen sind. Sie probieren die Neuerscheinungen aus, scheitern mit den einen Ideen und bereichern und verbessern mit den anderen ihre Lehre. Dabei werden je nach Lehrsituation, Lehrpersönlichkeit und Zielgruppe andere Vorgehensweisen erfolgreich sein oder eben nicht. Die Wissenschaft greift dann die neue Entwicklung auf und beforscht sie auf verschiedenen Ebenen. Probleme, Ursachen, Wirkung, Lösungsansätze werden untersucht und generalisiert. Möglicherweise können Gesetzmäßigkeiten zum Beispiel bezüglich der Zielgruppe entdeckt und vor allem ein größerer Zusammenhang hergestellt werden. Die Ergebnisse werden in einem erfolgreichen Wissenstransfer dann den Lehrenden zur Verfügung gestellt, damit sie einzelne Ergebnisse nutzen können. Auf diese Weise muss nicht jede Lehrperson immer wieder aufs Neue durch Versuch und Irrtum die eigene Mediennutzung im Kurs ausprobieren, sondern kann bewährte Konzepte nutzen, beziehungsweise die Möglichkeiten und Hintergründe digitaler Medien besser verstehen und daran den eigenen Medieneinsatz ausrichten.
Selbstverständlich läuft aber die technische Entwicklung weiter. Immer wieder werden neue digitale Medien oder neue Möglichkeiten bestehender digitaler Medien entwickelt und so werden dauerhaft Lehrende mit technischen Neuheiten konfrontiert, mit der Frage, ob und wie sie sie in der Lehre einsetzen sollten, sie werden sich und den Medieneinsatz ausprobieren und die Forschung wird wiederum untersuchen, generalisieren, Gesetzmäßigkeiten finden, Hintergründe und große Zusammenhänge liefern, an denen sich Lehrende orientieren können.

Damit stellt es für mich den natürlichen Gang der Dinge dar, dass die Forschung auf die Praxis folgt, aber trotzdem mit ihren Ergebnissen den Praktizierenden hilft, sich weiterzuentwickeln, die eigenen Lehrkonzepte zu optimieren und darauf aufbauend wiederum dazu befähigt, mit Neuerungen umzugehen.

Nun interessiert mich, wie das andere Beteiligte sehen? Mache ich es mir mit meiner Erklärung zu einfach? Blende ich wesentliche Aspekte aus? Oder stehen wir gerade an diesem Punkt, dass die Forschung ihrem Auftrag nicht ausreichend oder nicht schnell genug gerecht wird, das Bestehende zu erfassen und Erkenntnisse zu liefern?
Vielen Dank Susanne für die Eröffnung!

Der erste dialog digitalisierung#01 steht ins Haus: Forschende und Erwachsenenbildner*innen kommen am 4. September 2019 zusammen, um gemeinsam über Herausforderungen der digitalen Transformation zu diskutieren. Es wird spannende Einblicke in empirische Forschungsarbeiten geben, die sich mit Themen des "Digitalen Lernens in der gymnasialen Oberstufe des Zweiten Bildungswegs" befassen, erste Erkenntnisse aus der Literaturanalyse zur Digitalisierung in der Erwachsenen- und Weiterbildung sowie u. a. einen Workshop zum Forschung-Praxis-Dialog. Eine Übersicht des Programms finden Sie unter https://digi-ebf.de/dialogdigitalisierung_01_EB.

Interessierte aus der Weiterbildungspraxis haben die Möglichkeit, am 28. November 2019 live bei dialog digitalisierung#02 dabei zu sein. Anmeldungen werden unter digital[at]die-bonn.de entgegengenommen.
dialog digitalisierung hat zum Ziel, Interessierte aus der Erwachsenen- und Weiterbildung mit Forschenden ins Gespräch zu bringen. Dieses Forum steht neben den 2-3 Mal jährlich stattfindenden Live-Veranstaltungen als Plattform kontinuierlich zur Verfügung. Auf Twitter können Sie dem dialog digitalisierung unter den Hashtags #dialogital und #Erwachsenenbildung folgen.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Dieses Thema wird von Saniye Al-Baghdadi, wiss. Mitarbeiterin im Projekt Digi-EBF in der Abteilung "Wissenstransfer" im DIE, betreut.

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