MILLA - Kopfgeburt oder ernstzunehmender Reformvorschlag

Das Stichwort Digitalisierung fällt aktuell fast immer, wenn es um Bildung geht. Hier diskutieren wir alles rund um dieses Thema in Bezug auf die Erwachsenen- und Weiterbildung.
Die CDU hat auf dem 31. Bundesparteitag den Beschluss zu MILLA gefasst. Hier können Sie den Beschluss lesen: https://wb-web.de/aktuelles/milla-der-beschluss.html
Unter dem Titel „Ein offener Brief: MILLA, Schulcloud und das offene Netz“ analysieren und diskutieren auch Christian Friedrich und Bernd Fiedler das Konzept MILLA in einem Blogbeitrag. Dieses haben sie sich angesehen und in den Kontext anderer Plattformen für Bildung in Deutschland gesetzt, insbesondere mit einem Blick auf das offene Netz, freie Inhalte und freie Software.
Hier können Sie den Blogbeitrag lesen. https://wb-web.de/aktuelles/ein-offener ... netz.html
Hallo miteinander,

als ich von MILLA über zwei Bildungsecken gehört habe, und auch gleich ein paar gute und wichtige Kommentare z.B. Kerres gelesen habe, bin ich mal auf die Suche gegangen. Scheinbar gibt es zu dieser Plattform auch ein paar geistige Urväter, die ich schon ein paar Mal im Bildungskontext gesehen und gehört habe. Waren bisher immer interessante Bildungsimpulse aus dennen sich was machen lies.

Hierzu mal ein Youtube-Video mit dem Titel "Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für eine (inter-)nationale Plattform für die Hochschullehre" mit Dr. U. Schmid (mmb Institut) und Dr. V. Zimmermann (Neocosmo)

https://youtu.be/vg0PrVjqu9U

Grundlegend gute Gedanken und da mir die Zielgruppen, also die "Life Long Learner in Zeiten der Digitalisierung" so am Herzen liegen, habe ich mal meine "ILIAS-Lernplattform- und MOOC - Erfahrung" gedanklich gebündelt und mir überlegt, wie so ein/eine MILLA aussehen könnte.

https://padlet.com/a_t_lehr74/jidacy29izo6

Wenn Sie wollen bewerten Sie die Features. Das wäre mir sehr recht, denn so würde ich bildungsdemokratisch vorgehen und die Lernenden in "agiler" , "kollegialer" und "partizipativer" Wikipedia-Art mitentscheiden lassen. Das wäre doch eine Bildungs-Vision, die ich bei allem noch nicht deutlich genug heraushöre. Milla als UNSERE Bundes-Wissensallmende mit OER, OEB, Open-Source Software Werten, die Kopf und Herz anspricht. Das wäre doch was :-)

Freundlichen Gruß in die Digitale Bildungsrunde

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Ich möchte mich hier den Vorredner_innen anschließen: Klasse, dass es eine Initiative für Weiterbildung gibt. Da kommt was in Gang. Und ist erstmal ein guter Wurf – denn es lädt zur Diskussion ein, denn die hat es sicher nötig.
Jetzt wäre es mE an der Zeit – ganz im Sinne von ‚digitaler Weiterbildung‘ – gemäß des DesignThinking Ansatzes auch mal möglicher Nutzer_innen mit einzubeziehen. Am Ende ist eine Plattform nur so gut, wie sie genutzt wird. Und Nutzer_innen werden schon sagen, was sie suchen, wünschen, brauchen.
Auch gilt: Weiterbildung wofür? Natürlich ist Beruf und ein gutes Einkommen ein wesentlicher Teil, aber nicht der Einzige.
Und warum ‚Währung‘? Das ist im Zeichen der Digitalisierung doch ein alter Hut. Wo die Reise hingeht, zeigen algorithmische Assessments. Am Beispiel Beruf: gibt es klare Jobprofile, die Tätigkeiten und damit Kompetenzen fordern, dann ‚weiß‘ auch der Algorithmus, wer am besten passt – da braucht es keine ‚Währung‘ mehr. Und so können sich auch ‚Zertifizierungen‘ ergeben – absolvierte Kurse, die zu Kompetenzen führen, die häufig zu neuen Jobangeboten führen, ‚qualifizieren‘ sich selbst über den Erfolg.
Das bedeutet aber auch, dass viele Daten gesammelt und verfügbar sind. Ohne die kann man übrigens auch die ganzen Algorithmen und womöglich KI vergessen. Auch hier muss man schauen, was geht und und was das „Geschäftsmodell“ der Plattform ist: Wem die Plattform primär dienen soll: den Menschen, Arbeitgeber_innen oder Gesellschaft (mit Blick auf Ehrenamt z.B.).
Unter dem Titel "Endlich!? - Die digitale Weiterbildungsplattform MILLA - eine Stellungnahme" betrachtet Professor Michael Kerres das Vorhaben "MILLA". Die Problemanalyse offenbart Defizite des deutschen Weiterbildungssystems, die in dem MILLA-Papier benannt werden. Diese gilt es eingezuordnen. Die konkreten Vorschlägen in den grundlegenden politischen Konzepten einer digitalen Zukunft sind aus seiner Sicht zu verhandeln.
Ist eine zentralisierte Weiterbildungsdatenbank die Lösung? Oder bedarf es nicht viel mehr der Beratung von Weiterbildungsinteressierten? Welchen Vorteil hätte eine zentrale Weiterbildungsdatenbank? Wird damit nicht eine gigantische nationale Behörde zur Verwaltung aller Weiterbildungsangebote geschaffen - mit welchem Nutzen? Welche Rolle spielt der Staat bei der Beurteilung der Effektivität einer Weiterbildungsmaßnahme? Ist es gewollt, dass der Staat dies übernimmt? Wie steht es um die Autonomie der Hochschulen in der Planung ihres Weiterbildungsangebotes, welches bislang keiner staatlicher Regulierung unterliegt, wenn der Staat das Weiterbildungsangebot "koordinieren" möchte?
Dass die Zukunft der Weiterbildung maßgeblich digital geprägt sein wird, steht für Kerres außer Frage. Entscheidend ist aber, wie diese digitale Zukunft gestaltet wird. Die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Zukunft gilt es, in ihren Implikationen für das Zusammenleben in der Gesellschaft herauszuarbeiten und einer Verständigung zuzuführen.
Hier finden Sie die Stelungnahme (https://wb-web.de/aktuelles/endlich-die ... nahme.html) von Prof. Kerres.
Ja, dann versuche ich auch mal eine Einschätzung. Vorneweg, ich freue mich auch über jede Initiative, die den Fokus endlich einmal auf die Weiterbildung richtet und den vielen Absichtsbekundungen Taten folgen lassen will!

Und die Beteiligten haben einige Hausaufgaben gemacht. Viele Stichworte aus der aktuellen Diskussion - von Microlearning bis Netflix - finden wir wieder.

Trotzdem plädiere ich im Moment für "Kopfgeburt". Mein wichtigster Punkt: Ich bin skeptisch, was Versuche angeht, eine zentrale Infrastruktur für Weiterbildung zu schaffen.

Ja, es gibt die Sorge, dass mehr Orientierung im Netz guttäte, dass es eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um Weiterbildung geben sollte und dass viele Menschen (Unternehmen, Mitarbeitene) noch ganz am Anfang ihrer Online-Reise stehen. Ja, es gibt (immer) die Sorge, dass die internationalen, englischsprachigen Anbieter den Markt dominieren (Deshalb werden ja parallel gerade „Machbarkeitsstudien für eine nationale Plattform für die Hochschullehre“ erstellt!! Ich hoffe, die Beteiligten wissen voneinander ;-) ).

Kurz: MILLA will fast alles und muss deshalb alle Beteiligten (Stakeholder) der Weiterbildung an einen Tisch bringen. Das wird dauern. 1, 2 oder 5 Jahre? In dieser Zeit bleibt das Netz nicht stehen. Auf Udemy gibt es heute schon Hunderte Kurse in deutscher Sprache. Das wird sicher spannend zu sehen, auf welche Situation MILLA in 5 Jahren trifft!

Noch ein zweiter Punkt: In dem vorgestellten Modell (wenn ich es richtig verstehe) treten die Anbieter von Weiterbildung in Vorleistung und werden nach Nutzung ihrer Angebote via MILLA bezahlt. Ich lese das wie folgt: Kein Weiterbildungsanbieter wird seine eigenen Plattformen, seine eigenen Vertriebswege und Geschäftsmodelle aufgeben. Sie werden sich entspannt zurücklehnen und MILLA als eine interessante Zweitverwertung betrachten (die man als ein Anbieter unter vielen auch nur bedingt steuern oder beinflussen kann).

Abschließend: Ich kann nicht leugnen, dass das Modell seine Reize hat. Endlich mal ein bildungspolitisches Konzept!! Und ich sehe auch, dass meine Bedenken die eines fortgeschrittenen Web-Nutzers sind - da sind also sicher blinde Flecke.

Aber ich würde gerne auch Alternativen diskutieren wollen. Warum nicht zum Beispiel 2020 zum Jahr der "Digitalen Kompetenzen" ausrufen und bundesweit, regional und lokal Ideen, Initiativen und Konzepte sammeln - und umsetzen? Mit den Milliarden kann man doch arbeiten ...
Politisch hochproblematisch - mindestens für den Koalitionspartner - ist sicher die reine Berufsorientierung des Konzepts: Relevant ist, was auf die Beseitigung des Fachkräftemangels einzahlt. Weiterbildung hat zwar schon immer als gesellschaftlicher Reparaturbetrieb funktioniert (EDV-Kentnisse, Integration von Zugewanderten), aber in einer derart zugspitzten arbeitsmarktorientierten Kompensationsrolle sieht nicht einmal die EU-Kommission die EB/WB.
Das habe ich mich auch schon gefragt: wer soll da eigentlich mitmischen? Und hat sich jemand aus der CDU (soweit ich das bisher erkennen kann, sind vier Personen am Konzept beteiligt) in der Entstehungsphase mal mit Repräsentanten des Feldes (in welcher Form auch immer) unterhalten?

Herr Heilmann sagte auch, dass es im Weiterbildungssystem keine richtige Erfolgsmessung gebe. Es wird also sehr interessant, wie die für MILLA aussehen kann und soll.
Ob wirklich schon Forschung einkalkuliert ist, wage ich zu bezweifeln. Für mich klingt das bislang nach „reinen“ Betriebskosten.

Optimistisch sind sie auf jeden Fall, wenn schon erste Teile 2020/21 an den Start gehen sollen. Hoffentlich ist das keine BER Kalkulation! ;)
Gute Punkte, Carmen! Wobei ich sagen würde: Kluge Algorithmen einzusetzen um auf mich bezogen maßgeschneiderte Angebote zu bekommen, gefällt mir gut. Sowas ist sicher sinnvoll und wird früher oder später kommen. Aber was Qualität und Professionalität angeht, macht das Ganze tatsächlich den Eindruck, dass bisherige Steuerungsmöglichkeiten des Staates, völlig außerhalb des Blickfelds sind. Die Teile der Erwachsenen- und Weiterbildung, die verbandliche Repräsentanzen haben und für Qualitäts- und Professionalitätsentwicklung einstehen, sind als Kooperationspartner zumindest nicht erkennbar, wenn sie überhaupt mitgedacht sein sollten. Das passt natürlich zu der Tonalität des Konzepts, wonach das ganze deutsche Weiterbildungssystem nur defizitär sei. Ich bin gespannt, ob und wie sich Verbände zu MILLA verhalten werden. Statt dessen setzt die CDU alles auf die Karte Micro-Learning. Und verbindet Qualitätskontrolle mit Lernerfolg der Teilnehmenden. Da bin ich mal auf die Untersuchungsdesigns gespannt, die für die Evaluierung des Lernerfolgs herangezogen werden sollen. Da sind bestimmt auch einige Forschungsaufträge im Budget einkalkuliert.
Super, dass die Weiterbildung als Schlüssel zur Zukunft erkannt wird und der Bedarf ist sicher auch da.

Ich persönlich finde ein „Weiterbildungs-Netflix“ durchaus verlockend, frage mich aber, ob es sinnvoll und erstrebenswert ist, wenn ein YouTube Star Englischkurse anbietet, wie Thomas Heilmann plakativ darstellt. Diese Aussage passt für mich in keiner Weise zu einer Qualitäts- und Professionalisierungsdiskussion für die Erwachsenen- und Weiterbildung. Für mich gleicht sie eher einer Entwertung der erwachsenenpädagogischen Profession. Ganz offensichtlich herrscht hier beim CDU-Bundestagsabgeordneten die Annahme, dass jeder, der Videos für You Tube produzieren kann (was mit Sicherheit ein anspruchsvolles Unterfangen ist), auch über gute (medien-)didaktische Kenntnisse verfügt, um Menschen erfolgreich beim Lernen zu unterstützen.
Ist es vor der Vielzahl eigener Lösungen verschiedener traditioneller Weiterbildungsanbieter realistisch, dass eine zentrale Plattform entstehen kann? Und reicht es wirklich aus, wenn sich die „Kontrolle“ darauf beschränkt, kriminelles und abseitiges auszusortieren und eine qualitative Bewertung hinsichtlich didaktischer Gesichtspunkte und Relevanzkriterien dann einer KI und evtl. Nutzerbewertungen zu überlassen?

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